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Ich sehe in der Praxis täglich Schulterbeschwerden, die nicht primär aus dem Gelenk entstehen. In vielen Fällen liegt die Ursache in einer veränderten Funktion des gesamten Schultergürtels.

Die Schulter arbeitet nicht isoliert. Sie ist Teil eines Systems aus
Skapula, Humerus, Schlüsselbein und der umgebenden Muskulatur.
Entscheidend ist dabei die Koordination zwischen Bewegung und Stabilität.

Wenn diese Abstimmung gestört ist, entstehen Beschwerden oft nicht durch strukturelle Schäden, sondern durch funktionelle Überlastung.


Was physiologisch dahintersteckt

1. Rolle der Skapula

Die Skapula bestimmt die Ausgangsposition der Schulter.
Bei statischer Belastung, etwa durch Bildschirmarbeit, kommt es häufig zu:

  • Protraktion der Schulter
  • Anteriorer Tilt der Skapula
  • Erhöhter Tonus im oberen Trapezius

Diese Veränderungen verschieben die Gelenkmechanik.
Die Folge ist eine reduzierte subakromiale Raumverfügbarkeit und eine veränderte Muskelaktivität (Kibler et al., 2013).


2. Muskelketten und Tonusverteilung

Typisches Muster in der Praxis:

Überaktiv:

  • oberer Trapezius
  • Levator scapulae

Unteraktiv:

  • unterer Trapezius
  • Serratus anterior

Das führt zu einer ineffizienten Kraftübertragung und zu kompensatorischen Bewegungen.

Die Schulter wird dann zwar bewegt, aber nicht optimal geführt.


3. Zusammenhang mit Nacken und Haltung

Die Verbindung zwischen Halswirbelsäule und Schultergürtel ist funktionell eng.

Erhöhte Spannung im Nacken verändert die Skapulaposition.
Gleichzeitig verstärkt eine schlechte Schultermechanik die Belastung im Nacken.

Das System verstärkt sich gegenseitig.


Typische Beschwerden

In der Praxis zeigen sich häufig:

  • Ziehen im oberen Schulterbereich
  • Spannungsgefühl im Nacken
  • Schmerzen bei Armhebung
  • Beschwerden bei längerem Sitzen
  • reduzierte Bewegungsqualität statt klarer Schmerz

Diese Symptome entstehen oft schleichend und werden lange kompensiert.


Rolle der medizinischen Massage

Medizinische Massage wirkt nicht isoliert auf das Gelenk, sondern auf das umgebende Gewebe.

Wirkung mechanisch und neurophysiologisch

  • Reduktion des Muskeltonus
  • Verbesserung der lokalen Durchblutung
  • Einfluss auf Schmerzmodulation über das Nervensystem (Weerapong et al., 2005)

Massage verändert nicht die Struktur, aber die Funktion.

Sie schafft Voraussetzungen für Bewegung und Training.

Schulterbehandlung Triggerpunkt Therapie Bern Koeniz
Schulterbehandlung im der ActivePeople Massage Köniz/Bern (Liebefeld)

Warum Massage allein nicht ausreicht

Wenn die Ursache in Haltung und Belastung liegt, reicht passive Behandlung nicht aus.

Langfristige Verbesserung entsteht durch:

  • Anpassung der Belastung
  • Verbesserung der Bewegungssteuerung
  • gezielte Kräftigung

Massage ist dabei ein Baustein im Gesamtkonzept.


Home Workout – funktionell und sinnvoll

Die folgenden Übungen adressieren genau die häufigsten Defizite im Schultergürtel.

Ziel ist nicht Muskelaufbau isoliert, sondern bessere Steuerung und Belastbarkeit.


1. Scapula Setting an der Wand

Ziel: Kontrolle der Skapulaposition

Ausführung:
Rücken an die Wand
Arme leicht angewinkelt
Schulterblätter aktiv nach hinten unten führen
Position 10–20 Sekunden halten

Warum:
Verbessert die neuromuskuläre Kontrolle der Skapula (Cools et al., 2014)

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2. Wall Slides

Ziel: Koordination von Skapula und Armbewegung

Ausführung:
Rücken an die Wand
Arme langsam nach oben führen
Kontakt zur Wand halten

Warum:
Fördert die Aufwärtsrotation der Skapula und reduziert Kompensation

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3. Serratus Punch

Ziel: Aktivierung Serratus anterior

Ausführung:
Rückenlage oder Stand
Arm nach vorne strecken
zusätzliche kleine Bewegung nach vorne ausführen

Warum:
Verbessert die Stabilität der Skapula

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4. Y-Raise (leichtes Gewicht oder ohne)

Ziel: unterer Trapezius

Ausführung:
Oberkörper leicht nach vorne
Arme in Y-Form anheben
kontrolliert und langsam

Warum:
Gegenspieler zum oberen Trapezius stärken

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5. Thorax Extension über Rolle

Ziel: Beweglichkeit Brustwirbelsäule

Ausführung:
Rolle unter Brustwirbelsäule
leicht nach hinten strecken

Warum:
Verbessert die Ausgangsposition der Schulter

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Trainingsprinzipien

  • 2–4 Einheiten pro Woche
  • Qualität vor Intensität
  • langsame, kontrollierte Bewegung
  • keine Schmerzen während der Übung

Fortschritt entsteht durch bessere Kontrolle, nicht durch höhere Last.


Wann du abklären solltest

Eine medizinische Abklärung ist notwendig bei:

  • akuten Kraftverlusten
  • deutlicher Bewegungseinschränkung
  • Unfall oder Trauma
  • neurologischen Symptomen

Diese Situationen gehören nicht in ein rein funktionelles Setting.


Fazit aus der Praxis

Schulterbeschwerden sind in vielen Fällen kein strukturelles Problem, sondern ein funktionelles.

Die Kombination aus:

  • medizinischer Massage
  • gezieltem Training
  • Anpassung der Belastung

führt langfristig zu einer besseren Funktion.

Die Schulter lässt sich nicht isoliert behandeln.
Sie funktioniert nur im Zusammenspiel mit dem gesamten System.


Quellen (APA-light)

Kibler, W. B., et al. (2013). The role of the scapula in athletic shoulder function.
Cools, A. M., et al. (2014). Rehabilitation of scapular dyskinesis.
Weerapong, P., et al. (2005). The mechanisms of massage and effects on performance.

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