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Die adhäsive Kapsulitis, im Volksmund als „Frozen Shoulder” bezeichnet, stellt eine schmerzhafte, progrediente Bewegungseinschränkung des Schultergelenks dar. Diese Erkrankung verläuft typischerweise in den drei Phasen Freezing (Schmerzphase), Frozen (Starrphase) und Thawing (Auftauphase) und kann über 9 bis 24 Monate anhalten. Ziel dieses Fachartikels ist es, eine umfassende, evidenzbasierte Darstellung der Frozen Shoulder zu liefern. Neben Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie lege ich einen besonderen Fokus auf manuelle Verfahren und Massagetherapien gemäss dem eidgenössischen Fachausweis EFA.

1. Epidemiologie und Risikofaktoren

Die adhäsive Kapsulitis (Frozen Shoulder) gehört zu den häufigsten schmerzhaften Schultererkrankungen und zeigt in epidemiologischen Untersuchungen eine Prävalenz von etwa 2–5 % in der Allgemeinbevölkerung. In speziellen Risikogruppen, insbesondere bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, steigt die Prävalenz jedoch signifikant auf bis zu 10–20 % an (Hauzou et al. 2021) .

Alters- und Geschlechtsverteilung

  • Altersgipfel: Die höchste Inzidenz zeigt sich zwischen dem 40. und 65. Lebensjahr. In dieser Altersgruppe liegt die jährliche Inzidenz bei etwa 3–5 Fällen pro 1 000 Personen .
  • Geschlechtsunterschiede: Studien berichten ein leichtes Überwiegen bei Männern, mit einem Verhältnis von männlich zu weiblich von etwa 1,2–1,4 : 1 (Smith et al. 2014) .

Laterale Verteilung und Bilateralität

  • Einseitigkeit: In ca. 75 % der Fälle ist nur eine Schulter betroffen.
  • Bilateralität: Bei bis zu 20 % der Patienten entwickelt sich eine beidseitige Frozen Shoulder, oft zeitlich versetzt um 1–3 Jahre (Neviaser & Neviaser 1945).

Komorbiditäten und Systemische Risikofaktoren

1. Diabetes mellitus: Patienten mit Diabetes haben ein bis zu dreifach höheres Risiko für eine Frozen Shoulder und einen langwierigen Verlauf .
2. Schilddrüsenerkrankungen: Hypo- und Hyperthyreose erhöhen das Risiko um 1,5-fach .
3. Autoimmunerkrankungen: Rheumatoide Arthritis und andere Kollagenosen assoziieren sich mit erhöhter Inzidenz (1,8-fach).
4. Postoperative Brustkrebstherapie: Bis zu 10 % entwickeln nach axillärer Lymphknoten-Dissektion eine Frozen Shoulder.
5. Trauma und Immobilisation: Längere Ruhigstellung nach Frakturen oder OP erhöht das Risiko um ca. 2,2 fach (Zuckerman et al. 1994) .

Berufliche und psychosoziale Faktoren

– Berufsrisiko: Überkopfarbeiten und schwere manuelle Tätigkeiten steigern das Risiko (OR 1,3) .
– Psychosoziales: Chronischer Stress und depressive Symptome verlängern die Freezing-Phase.

Genetische Disposition

Zwillingsstudien weisen auf eine Heritabilität von ca. 30 % hin, v. a. Varianten im TGF-β‑Signalweg.

2. Pathophysiologie

Die exakte Ätiologie ist unklar; massgeblich sind entzündliche Synovialreaktionen (IL‑1β, TNF‑α), gefolgt von einer fibrotischen Umbauphase mit Capsulaverdickung und erhöhter Kollagenproduktion . Die Kapsel verliert Elastizität und führt zur charakteristischen Steifigkeit.

3. Klassifikationen und Abgrenzungen

Tossy I–III (AC‑Gelenkverletzungen)

  • Tossy I: Distorsion ohne vollständige Bandruptur. Klinisch milde Schmerzhaftigkeit, Röntgen unauffällig.
  • Tossy II: Teilruptur der akromioklavikulären Bänder, Subluxation < 100 %, Druckschmerz.
  • Tossy III: Komplette Dislokation mit Ruptur von akromio‑ und korakoklavikulären Bändern, sichtbares Klaviertastenphänomen.

SLAP I–III (Superior Labrum Anterior–Posterior)

  • SLAP I: Fransenbildung ohne Bizepsablösung.
  • SLAP II: Ablösung des Labrum-Bizeps-Ankers (≈ 41 % der Fälle).
  • SLAP III: Bucket-Handle-Tear des Labrum, Bizeps intakt, mechanische Symptome.

Abgrenzung: Tossy beschreibt AC‑Joint-Stabilität, SLAP den Glenoid-Labrum-Bizeps-Komplex.

4. Einfluss des Nervensystems

Studien zeigen erhöhte NGF- und TrkA-Rezeptoren in der Kapsel, was zur peripheren Hyperalgesie beiträgt. Zentrale Sensibilisierung spielt eine untergeordnete Rolle.

5. Klinische Diagnostik

Eine präzise klinische Untersuchung ist entscheidend, um das Stadium der Frozen Shoulder festzulegen, die Einschränkungen zu quantifizieren und Begleitpathologien auszuschliessen. Die Diagnostik gliedert sich in Anamnese, Inspektion/Palpation, Funktions- und Spezialtests sowie differenzierte Messungen durch Physiotherapeut:innen und medizinische Masseur:innen EFA.

Anamnese

  • Schmerzbeschreibung: Erhebung mittels numerischer Rating-Skala (NRS 0–10), Charakter (dumpf, stechend), Lokalisation, Nacht- und Ruheschmerz.
  • Verlaufsanalyse: Zeitpunkt des Auftretens, Auslöser (idiopathisch, Trauma, Operation), Phasenstatus (Freezing vs. Frozen vs. Thawing).
  • Alltagsfunktion: Einschränkungen bei Ankleiden, Haare kämmen, Schlafposition (seitlich), berufliche und sportliche Aktivitäten.
  • Vorerkrankungen: Diabetes, Schilddrüsenstörungen, Autoimmunerkrankungen, Voroperationen an Schulter oder Brust.

Inspektion und Palpation

  • Skapuläre Analyse: Stellung der Scapula in Ruhe (protrahiert, retractiert), Symmetrievergleich.
  • Haltung und Bewegungskontrolle: Scapulohumerale Rhythmusprüfung bei Armhebung.
  • Palpation der Rotatorenmanschette: Tastsuche nach Myogelosen und Triggerpunkten im M. supraspinatus, infraspinatus, teres minor und subscapularis.
  • Capsuladicke und Weichteilstatus: Tastbare Verdickung oder Verhärtung in der vorderen Kapselregion und Axillarlinie; Temperaturunterschiede zur Detektion aktiver Entzündung.

Bewegungsprüfung

  • Messinstrument: Universalgoniometer oder digitaler Inclinometer.
  • Aktive Bewegungsprüfung: Abduktion, Flexion, Extension, Ausen‑ und Innenrotation in 0° und 90° Abduktion. Dokumentation Aussmass und Schmerzpunkt.
  • Passive Bewegungsprüfung: Durchführung durch Therapeut:in, Bestimmung des Endgefühls (hart, federnd, schmerzbedingt blockiert), Differenzaktivität vs. passive Restriktion.
  • Endgefühlsklassifikation:
    • harter Stop (hard end feel): typisches Zeichen fibrotischer Capsula
    • Federnd (springy): selten, eher bei intraartikulärer Meniskus-Problematik

Spezielle klinische Tests

  1. Hawkins-Kennedy-Test: Arm in 90° Flexion, Ellenbogen gebeugt, Innrotation provoziert Impingement-Schmerz bei subacromialem Engpass.
  2. Neer-Test: Passive Elevation des gestreckten Arms unter medialer Schulterfixierung, Schmerz bei subacromialer Reizung.
  3. Apley-Scratch-Test: Kombination aus Adduktion/Internalrotation (Hand hinterm Rücken) und Abduktion/Externalrotation (Hand über Schulter), Grad der erreichbaren Position quantifizieren.
  4. Scapular Assistance Test (SAT): Unterstützung der Scapulabewegung reduziert Schmerzen und erhöht Elevation, Hinweis auf Skapuladysfunktion.
  5. Scapular Retraction Test (SRT): Manuelle Stabilisierung der Scapula führt zu Kraftzunahme bei isometrischer Abduktion, indiziert Training der Scapulastabilität.
  6. External Rotation Lag Sign (ERLS): Bei 20° Abduktion und maximaler Aussenrotation entgleitet der Unterarm in Innenrotation, zeigt Schwäche/Ruptur der Aussenrotatoren.
  7. Anterior Apprehension-Test: Arm in 90° Abduktion und 90° Aussenrotation, Schmerz/Apprehension weist auf ventrale Instabilität hin.

Differenzialdiagnostische Tests

  • Jobe-Test (Empty Can): Prüft Supraspinatus-Ruptur.
  • Speed’s-Test: Schmerz bei resisted Flexion der gestreckten Schulter, indiziert Bizepssehnenpathologie.
  • Cross-Body-Adduction-Test: Schmerz über AC-Gelenk bei passiver Adduktion, deutet auf AC-Arthrose oder -Separation.

Messungen und Dokumentation

  • Standardisiertes Protokoll: Führen einer Bewegungsdiagrammkarte mit Angaben zu aktiv/passiv, Endgefühl, Schmerzstufe.
  • Kraftmessung: Handdynamometer für isometrische Innen- und Aussenrotation, dokumentierte Werte in Newton oder Kilogramm.
  • Propriozeption: Joint Position Sense Test: Reproduzieren eines vorgegebenen Winkels, Abweichung in Grad messen.

Spezifische Untersuchungen durch den medizinischen Masseur EFA

  • Triggerpunkt-Druckprovokation: Quantitative Schmerzschwelle mittels Druckdolenzmeter, Vergleich betroffener vs. gesunder Seite.
  • Fasziale Zugtests: Dynamische Verschieblichkeit der Haut‑Faszien-Einheit über Schulter- und Brustgürtel beurteilen.
  • Segmentale Mobilisationstestung: Manuelle Mobilisation der oberen Thorax- und zervikalen Segmente zur Untersuchung von Kettenmechanik.
  • Thermische Palpation: Vergleichende Temperaturmessung mit Thermometer zur Identifikation entzündlicher Areale.

Diese umfassende klinische Diagnostik schafft die Basis, um Therapieziele zu definieren, den Behandlungserfolg messbar zu verfolgen und interdisziplinäre Behandlungsstrategien abzustimmen.

6. Bildgebende Verfahren Bildgebende Verfahren

Ultraschall: Capsulaverdickung, Synovitis.
MRT: detaillierte Kapseldarstellung, Ausschluss Rotatorenmanschettenriss.

7. Schmerzmechanismen und Symptomatik

Tiefer Ruheschmerz, besonders nachts; Bewegungsschmerz bei Endbewegungen; Besserung durch passive Mobilisation und Wärmeanwendung.

8. Klassischer Verlauf und Heilungsprozess

Der typische natürliche Verlauf einer Frozen Shoulder gliedert sich in drei überlappende Phasen, die in Summe zwischen 9 und 24 Monaten beanspruchen. Das Verständnis dieser Phasen ist wesentlich, um Behandlungsstrategien zeitlich optimal zu planen.

  1. Freezing-Phase (Schmerzphase, 2–9 Monate):
    In dieser initialen Phase steht der progressive Ruheschmerz im Vordergrund, der nachts häufig stärker wird und zu Schlafstörungen führt. Entzündliche Prozesse dominieren: Synovialiale Hyperämie, Neovaskularisation und Infiltration entzündlicher Zellen prägen das Bild (Hauzou et al. 2021). Klinisch zeigt sich eine schrittweise Abnahme der passiven Aussenrotation um 10–20° pro Monat.
  2. Frozen-Phase (Starrphase, 4–12 Monate):
    Die Fibrose der Gelenkkapsel erreicht hier ihren Höhepunkt. Histologisch finden sich verdickte Capsula glenohumeralis und vermehrte Quervernetzung von Kollagenfasern (Smith et al. 2014). Schmerzintensität nimmt ab, jedoch bleibt das Endgefühl hart blockiert. Die passive Aussenrotation ist nun um bis zu 75 % eingeschränkt. Funktionsziele in dieser Phase sind kontrollierte Dehntechniken und schmerzadaptierte Mobilisation.
  3. Thawing-Phase (Auftauphase, 5–24 Monate):
    In der Erholungsphase erfolgt allmähliches Remodelling der Kapsel, angestossen durch Matrix-Metalloproteinasen und Apoptose der aktivierten Fibroblasten. Studien zeigen, dass Patienten im Mittel nach 12–18 Monaten wieder 80–90 % ihrer ursprünglichen Beweglichkeit erreichen (Cho et al. 2014). Vollständige Erholung kann jedoch bis zu 2 Jahre dauern.

Warum ist dieses Wissen wichtig?

  • In der Freezing-Phase profitieren Patienten vorwiegend von Schmerztherapie (Kortisoninj.) und sanfter Mobilisation, um den Entzündungsprozess zu begrenzen.
  • Während der Frozen-Phase stehen gezielte Dehntechniken und manuelle Mobilisation der fibrotischen Kapsel im Vordergrund. Ein zu frühes intensives Training kann Schmerzen reaktivieren und Fibrose fördern.
  • In der Thawing-Phase ermöglichen progressive Kraft- und Propriozeptionsübungen Wiedererlangung von Funktion und Stabilität.

Diese phasenspezifische Einteilung bildet die Grundlage für das multimodale Behandlungskonzept in meiner Praxis ActivePeople, das evidenzbasiert und individuell angepasst ist.

9. Konservative Therapieansätze.

Pharmakotherapie und Injektionen

  • NSAID (Ibuprofen 600 mg, 3×/Tag).
  • Intraartikuläre Kortikosteroid-Injektion (Methylprednisolon 20 mg, Wirkdauer 6–8 Wochen).

Physiotherapie und Übungsprogramme

1. Pendulum-Übungen: 10–15 Min, 2×/Tag.
2. Wall Slides: 3× 10–15 Wdh.
3. Capsular Stretch: 3× 30 s, 4×/Tag.
4. Isometrie: Theraband 5 s Haltezeit, 5 Wdh, 3×/Woche.
5. Skapulares Retraining: SAT/SRT-basiert.

Manuelle Therapie und Techniken des medizinischen Masseurs EFA

Die manuelle Therapie beim medizinischen Masseur EFA kombiniert gezielte Weichteil-, Triggerpunkt– und Faszientechniken mit mobilisierenden Griffen, um die fibrotische Gelenkkapsel zu beeinflussen und die muskulär-fasziale Dysbalance zu korrigieren.

Triggerpunkttherapie

  • Indikation: Myofasziale Triggerpunkte im M. supra- und infraspinatus, Levator scapulae, M. pectoralis minor sowie im Trapezius-Tonus.
  • Technik: Lokalisation durch Palpation (suche tauter Bänder), statischer Druck (6–8 kg/cm²) mit Daumenspitze oder Triggerstab für 60 Sekunden, danach 30 Sekunden Pause; 2–3 Zyklen pro Punkt.
  • Wirkung: Reduktion der Muskelhypertonie, Verbesserung der Durchblutung und Verminderung nozizeptiver Reize; führt zu einer Entzerrung der Kapselbelastung.

Bindegewebsmassage und myofasziale Techniken

  • Indikation: Faszienverklebungen und perikapsuläre Adhärenzen.
  • Technik: Querverfriktionen quer zur Faserrichtung, Oberflächen-Zieh- und Zirkulationsstriche, 10–15 Minuten je Region.
  • Wirkung: Erhöhte Gewebeviskosität wird gesenkt, Glykol-Verteilung in der Matrix gefördert, Lymphabfluss optimiert. Unterstützt die Reorganisation kollagener Fasern.

M-Tron-Anwendungen und tiefe Weichteilgriffe

  • Indikation: Tiefsitzende fibrotische Areale, besonders an der vorderen und inferioren Kapselanteilen.
  • Technik: Einsatz des M-Tron Geräts an betroffenen Bereichen mit 40–60 Hz Vibration bei mittlerem statischen Druck, 5 Minuten pro Region; Kombination mit langsamen, tiefen Streichgriffen.
  • Wirkung: Mechanische Zerrung und Fragmentierung fibrotischer Gewebeareale, Förderung angiogener und lymphatischer Neubildung, schnelle Schmerzlinderung.

Medical Taping

  • Indikation: Unterstützung der propriozeptiven Rückmeldung und Reduktion von Schwellungen.
  • Technik: Y-förmiges Tapeband nach McConnell über M. deltoideus und Capsula glenohumeralis, mit 10–15 % Vordehnung angebracht; Anwendung über 3–5 Tage.
  • Wirkung: Propriozeptive Stimulation führt zu einer verbesserten motorischen Kontrolle; das Tape hebt die Epidermis leicht an und fördert den interstitiellen Lymphabfluss.

Sportmassagetechniken

Sportmassagetechniken zielen darauf ab, die perimuskulären Strukturen intensiv zu lockern, die venöse und lymphatische Zirkulation zu verbessern und muskuläre Dysbalancen auszugleichen. Diese Techniken ergänzen die manuellen Therapieverfahren des medizinischen Masseurs EFA optimal und sind insbesondere in der Frozen-Phase sowie der Thawing-Phase hilfreich.

Effleurage

  • Ziel: Aufwärmen der Gewebe, Förderung der venösen Rückströmung, Schmerzdämpfung durch rhythmischen Wechsel von Druck und Entlastung.
  • Technik: Längsstreichungen entlang des M. deltoideus, M. trapezius und M. latissimus dorsi, 5–7 Minuten pro Schulterseite, mit moderatem Druck in Richtung Herz.

Petrissage

  • Ziel: Vertiefte Bearbeitung der Muskulatur, Lösen von Myogelosen und Triggerpunkten.
  • Technik: Knetende Bewegungen mit Daumen und Fingerballen, Ellbogen- und Handballenflächen, 5 Minuten, intensiver als Effleurage, dabei Gewebe sanft angehoben und geknetet.

Friktionen

  • Ziel: Lokalisierte mechanische Stimulation an Sehnenansätzen und fascialen Verdickungen, Abbau von Adhäsionen.
  • Technik: Kleine, kreisförmige Bewegungen mit Daumenspitze oder Fingergelenk auf Sehnenansätzen des M. supraspinatus, M. infraspinatus und deren Insertionen, 3–4 Minuten pro Bereich, mittlerer bis fester Druck.

Triggerpunktarbeit in Sportmassage

  • Ziel: Kombination aus tiefer Perkussion und statischem Druck zur Inaktivierung von latenten und aktiven Triggerpunkten.
  • Technik: Kurze Perkussionsschläge (5–10 schnellen Klopfungen) gefolgt von statischem Druck (30–45 Sekunden) auf myofasziale Verhärtungen im Schultergürtelbereich.

Muskelkompression und Dehnungsintegration

  • Ziel: Aktivierung von Muskel- und Gelenkrezeptoren, Förderung der neuromuskulären Koordination und Flexibilität.
  • Technik: Zyklen von 10 Sekunden statischer Kompression auf den Muskel (z. B. M. deltoideus) gefolgt von 15 Sekunden leichten Dehnens in die gegenüberliegende Richtung. 10 Zyklen.

Drainage-Techniken

  • Ziel: Lymphdrainage zur Reduktion von Ödemen und Capsula-Entzündung.
  • Technik: Sanfte Pump- und Klopftechniken entlang der lymphatischen Abflusswege (von peripher nach zentral), 5 Minuten, in Richtung der axillären Lymphknoten.

Durch die Kombination dieser Sportmassagetechniken wird die Gewebedurchblutung optimiert, die muskuläre Entspannung gefördert und die Mechanik des Schultergelenks nachhaltig verbessert. Sportmassage integriert aktiv muskuläre Elemente, die über die reine passive Mobilisation hinausgehen, und bereitet die Muskulatur auf weitere physiotherapeutische Übungen vor.

Alternative Verfahren (Akupressur, Elektrotherapie)

Alternative Verfahren ergänzen manuelle und physiotherapeutische Techniken und können spezifisch in verschiedenen Phasen der Frozen Shoulder eingesetzt werden:

Akupressur

  • Indikation: Schmerzlinderung und Segmentreflexmodulation.
  • Technik: Lokale Druckapplikation mit Daumen oder Fingergliedern an Punkten Jianyu (Li15), Jianliao (Sj14) und Tianzong (Si11), jeweils 2–3 Minuten pro Punkt. Druckintensität ca. 4–6 kg, moderat schmerzhaft, gefolgt von langsamer Entlastung.
  • Wirkung: Fördert endogene Opioidfreisetzung, moduliert segmentale Schmerzverarbeitung im Rückenmark und reduziert muskuläre Verspannung.

TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation)

  • Indikation: Akute Schmerzphasen (insbesondere Freezing-Phase).
  • Technik: Elektroden auf schmerzhafte Partien (posterolateral und anterior der Kapsel), hochfrequente Stimulation (80–120 Hz), Pulsbreite 100–150 µs, Intensität auf deutliche Prickelreize eingestellt; Sitzungsdauer 20–30 Minuten.
  • Wirkung: Gate-Control-Mechanismus hemmt noxische Afferenzen; zusätzlich wird körpereigene Endorphinsekretion aktiviert.

Therapeutischer Ultraschall

  • Indikation: Fibrose und restriktive Kapselveränderungen in Frozen- und Thawing-Phase.
  • Technik: Pulsierender Modus (1:4), Frequenz 1 MHz, Intensität 1 W/cm², in kreisenden Bewegungen 5–7 Minuten pro Schulterbereich.
  • Wirkung: Mechanische Mikromassage der Gewebe, Erhöhung der lokalen Temperatur (bis 2 °C), Förderung des Metabolismus und der Geweberegeneration.

Niedrig-Intensitäts-Lasertherapie (LLLT)

  • Indikation: Chronische Entzündungsphasen und Fibrose-Reduktion.
  • Technik: Wellenlänge 830–904 nm, Leistung 100–200 mW, Dosis 4–6 J/cm², Applikation 30–60 Sekunden pro Punkt entlang der Kapsel.
  • Wirkung: Photobiomodulation senkt proinflammatorische Zytokine, stimuliert Fibroblasten-Regulation und fördert Mikrozirkulation.

Diese alternativen Modalitäten erhöhen die Wirkung der manuellen und therapeutischen Übungen, indem sie sowohl schmerzlindernd als auch gewebsregenerativ wirken und somit den Therapieerfolg beschleunigen. Sportmassagetechniken

10. Prävention und Heimprogramme

Tägliche Mobilitätsübungen (10–15 Min), postoperatives Early-Motion-Protokoll.

Zielsetzung:

Ein zentrales Element in der Behandlung und Prävention der Frozen Shoulder ist die tägliche aktive Mitwirkung der Patient:innen durch gezielte Heimprogramme. Diese zielen auf die Erhaltung oder Wiederherstellung der Gelenkmobilität, den Erhalt des neuromuskulären Gleichgewichts, Schmerzreduktion sowie die Prävention von Rezidiven.

Die Evidenzlage belegt, dass strukturierte Heimprogramme, insbesondere während der Freezing und Thawing-Phasen, zu signifikant besseren funktionellen Outcomes führen können (Wong et al., 2020; Diercks et al., 2014).


Grundsätze der Heimübungen

  • Tägliche Durchführung: 1–2 Einheiten pro Tag à 10–15 Minuten
  • Progressive Belastungssteigerung je nach Phase (Freezing, Frozen, Thawing)
  • Wärmeapplikation vor Mobilisation zur Verbesserung der Kapsel-Dehnbarkeit (z. B. 10 Min Wärmekissen)
  • Schmerzgrenze respektieren, aber innerhalb der tolerierbaren Limits arbeiten
  • Kontrolliertes, aktives Mitbewegen bevorzugen gegenüber passiven Mobilisationen

Beispiele für Heimübungen

Die Übungen sollten je nach Stadium individuell angepasst werden. Hier eine evidenzbasierte Auswahl für ein tägliches Programm:


1. Pendulum-Übung (Codman)

  • Ziel: passive Mobilisation in alle Ebenen
  • Ausführung: Patient beugt sich im Stand nach vorne (90° Hüftflexion), Arm hängt locker, dann kleine kreisende Bewegungen (im Uhrzeigersinn/gegen den Uhrzeigersinn)
  • Dauer: 1–2 Minuten pro Richtung
  • Phase: Frühphase (Freezing)

2. Wand-Krabbeln (Wall Climb / Finger-Walk)

  • Ziel: Verbesserung der aktiven Flexion oder Abduktion
  • Ausführung: Finger „krabbeln“ an einer Wand in die Höhe; Schulter bleibt möglichst entspannt
  • Varianten:
    • Frontal (Flexion)
    • Lateral (Abduktion)
  • Wiederholungen: 3× je 10–15 Wiederholungen
  • Phase: Frozen, Thawing

3. Tuchzug über Schulter (Pulley / Handtuch hinter Rücken)

  • Ziel: Verbesserung der Innenrotation und funktionellen Reichweite
  • Ausführung: Ein Tuch wird mit beiden Händen (eine über die Schulter, eine von unten) nach oben/unten gezogen
  • Modifikation: Steigerung durch sanften Zug mit der führenden Hand
  • Wiederholungen: 3×15 Sek. halten
  • Phase: Frozen, Thawing

4. Stockübungen (Stab-Mobilisation)

  • Ziel: Verbesserung der passiv-assistiven Mobilität
  • Ausführung: Mithilfe eines Stocks oder PVC-Rohrs werden Bewegungen wie Flexion, Abduktion oder Außenrotation durchgeführt, wobei der gesunde Arm die Führung übernimmt
  • Beispiel: Stock wird mit beiden Händen gehalten, und der gesunde Arm bewegt den betroffenen Arm in Flexion (nach vorne) oder in Außenrotation (Ellbogen 90°)
  • Wiederholungen: 2–3×15 pro Bewegung
  • Phase: alle Phasen, besonders Frozen und Thawing

5. Isometrische Kräftigung Rotatorenmanschette

  • Ziel: Erhalt der Muskelaktivierung ohne Reizung
  • Ausführung: Arm an der Seite, Ellbogen 90° – Hand gegen Wand drücken (Aussenrotation), ohne die Bewegung auszuführen (5 Sek. halten)
  • Varianten: Innenrotation, Ausenrotation, Flexion isometrisch
  • Wiederholungen: 3×5 Wiederholungen à 5 Sekunden
  • Phase: Frozen, Thawing

6. Handtuchgleitübungen auf Tisch

  • Ziel: Mobilisation mit minimaler Belastung
  • Ausführung: Im Sitzen, Hände auf einem Handtuch, das auf einem Tisch liegt – nach vorne oder seitlich gleiten lassen
  • Vorteil: schonende Mobilisation
  • Wiederholungen: 3×10 Wiederholungen
  • Phase: Frühphase oder bei starken Schmerzen

Postoperatives Early-Motion-Protokoll

Bei sekundärer frozen shoulder nach operativer Intervention (z. B. Rotatorenmanschettenrekonstruktion, Schulterarthroskopie) ist die präventive Frühmobilisation essenziell.

Typisches Protokoll (in Absprache mit Chirurgie/Physiotherapie):

ZeitraumZielMassnahmen
Tag 1–7Schutz, Schmerzlinderungpassive Mobilisation (z. B. Pendelübungen), Tragen einer Schlinge (zeitweise), Kühlung
Woche 2–3Wiederaufnahme BeweglichkeitWand-Krabbeln, assistive Flexion mit Stock, leichte isometrische Übungen
Woche 4–6Fortschritt aktive Bewegungaktives Bewegungstraining, isotonische Übungen mit TheraBand
Woche 6–12+Return to FunctionSteigerung der Kraft, Funktion und Ausdauer – gezielte Bewegungsreize

Ziel ist es, die Bildung von fibrösem Kapselgewebe zu verhindern und gleichzeitig die Heilung zu unterstützen.


Wissenschaftliche Hintergründe

  • Eine Studie von Wong et al., 2020 zeigte, dass strukturierte Heimübungen bei Patient:innen mit frozen shoulder die funktionelle Wiederherstellung signifikant verbesserten (ROM, NRS, DASH-Score).
  • Diercks et al., 2014 empfehlen explizit aktive Bewegungstherapie statt ausschliesslich passiver Techniken.
  • Page et al., 2014 betonen, dass kombinierte Mobilisationen und Heimprogramme signifikant effektiver sind als Einzelansätze.

11. Praxisbeispiele aus der MassagePraxis ActivePeople in Köniz

1. 35-jährige Marathonläuferin (Freezing): nach 12 Wo. 70 % Mobilitätszuwachs, NRS 5→2.
2. 28-jähriger Triathlet (Frozen nach Bike-Sturz): volle Abduktion nach 8 Wo.
3. 42-jährige CrossFit-Athletin (Thawing): 90 % Mobilität nach 10 Wo.

1. 35-jährige Marathonläuferin – „Freezing Phase“ mit deutlichem Mobilitätszuwachs

Die Patientin stellte sich mit zunehmender Einschränkung der Schulterbeweglichkeit (rechts, dominant) und dumpfen, teils brennenden Schmerzen im Bereich des ventralen Schultergelenks sowie der lateralen Oberarmseite vor. Die Beschwerden bestanden seit etwa acht Wochen, ohne erinnerliches Trauma. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich ein ausgeprägtes Endgefühl in der passiven und aktiven Abduktion, kombiniert mit Schmerz bei passiver Aussenrotation. NRS (Numerische Ratingskala): 5.

Die initiale Phase wurde der „Freezing-Phase“ zugeordnet. Ziel der Behandlung war die gezielte Schmerzlinderung sowie der Erhalt der Beweglichkeit, ohne eine forcierte Mobilisation. Eingesetzt wurden manuelle Techniken (z. B. Traktion und laterale Distraktion nach Kaltenborn), kombiniert mit angepasstem Medical Athletic Training (MAT) mit Fokus auf Schulterblattkontrolle und Bewegungskoordination, sowie ergänzende Dry Needling-Anwendungen zur Detonisierung umgebender Muskulatur (besonders M. infraspinatus und M. subscapularis).

Nach zwölf Wochen dokumentierten wir eine Zunahme der aktiven Abduktion um 70 % im Vergleich zur Ausgangslage. Die Außenrotation verbesserte sich um ca. 40°, Schmerzen lagen auf der NRS nun bei 2 (vormals 5). Die Patientin konnte das Lauftraining wie geplant weiterführen und im Alltag die betroffene Seite wieder in nahezu allen Situationen ohne Kompensationen nutzen.

2. 28-jähriger Triathlet nach Bike-Sturz – „Frozen Phase“ mit schneller funktioneller Erholung

Der Athlet (Ironman 70.3 Finisher, hohe Trainingsumfänge, 12–14 Std./Woche) erlitt bei einem Radsturz eine proximale Contusio der Schulter mit späterer Entwicklung eines sekundären „frozen shoulder“-Syndroms. Die bildgebende Abklärung (MRI) zeigte keine relevante strukturelle Läsion. Dennoch entwickelte sich über etwa sechs Wochen eine ausgeprägte Bewegungseinschränkung – insbesondere der Abduktion und Aussenrotation – bei moderatem Schmerz (NRS 4).

Diagnostisch wurden u. a. das „Shoulder Passive Range of Motion Grid“ (SPROM) sowie Kraftverhältnisse in isometrischer Form mittels dynamometrischer Messung und das standardisierte SPADI (Shoulder Pain and Disability Index) verwendet. Funktionelle Tests wie der „Apley Scratch Test“ und „External Rotation Lag Sign“ zeigten typische Einschränkungen ohne strukturelle Schwächen.

Es folgte eine engmaschige sporttherapeutische Intervention mit passiver Mobilisation, gepaart mit isometrischen Übungen unter Schmerzgrenze, gezielter Triggerpunktbehandlung der Schulterrotatoren sowie dosierter radialer Stosswellentherapie. Parallel wurde der Athlet mit spezifischem Kettlebell-Training (einarmige Carries, Bottom-up-Holds) zur Verbesserung der Schulterstabilisation und Mobilität betreut.

Nach acht Wochen war die volle schmerzfreie Abduktion (180°) sowie nahezu normale Außenrotation (90° passiv/aktiv) wiederhergestellt. Eine Rückkehr zum Crawl-Schwimmtraining erfolgte kontrolliert und vollständig symptomfrei. Der Athlet absolvierte drei Monate später erfolgreich einen 70.3 Triathlon ohne Einschränkungen.

3. 42-jährige CrossFit-Athletin – „Thawing Phase“ mit fast vollständiger Regeneration

Die Sportlerin trainiert mehrmals pro Woche funktionell (Olympic Lifting, Pull-up Variationen) und bemerkte vor rund sechs Monaten schleichend eine Bewegungseinschränkung und Schmerzen bei Overhead-Bewegungen, vor allem im Snatch und Jerk. Bei Erstvorstellung zeigte sich bereits ein Übergang in die „Thawing Phase“: deutliche funktionelle Verbesserung, jedoch mit Restdefiziten in Abduktion (140°) und Aussenrotation (50° aktiv).

Die Beschwerden wurden mit einem individuellen Schulter-Rückgewinnungsprotokoll adressiert, welches fokussierte Mobilisationstechniken (z. B. PNF-Stretching), Faszienbehandlung der dorsalen Kette (M. latissimus, M. teres major) sowie eine gezielte Exzentrik der Aussenrotatoren beinhaltete. Im Training wurde die Athletin angeleitet, spezifische Bewegungsmuster (Push-Press, Pulls) modifiziert auszuführen, um Überlastungen zu vermeiden.

Zusätzlich kamen aktive Tests wie der „Closed Kinetic Chain Upper Extremity Stability Test“ (CKCUEST) und Y-Balance-Test für die obere Extremität zur Überwachung der funktionellen Verbesserung zum Einsatz.

Nach zehn Wochen berichtete sie von einer Beweglichkeitsverbesserung auf 90 % des Ausgangswerts, insbesondere bei den overhead-lastigen Übungen im CrossFit. Die SPADI-Werte zeigten eine Reduktion um 80 %. Die Athletin konnte wieder nahezu alle Bewegungsmuster ohne Einschränkung und Schmerz umsetzen.

12. Fachwissen und Multimodaler Ansatz ist entscheidend.

Die Frozen Shoulder erfordert einen multimodalen Ansatz, basierend auf über 15 Jahren Erfahrung als medizinischer Masseur EFA, Medical Athletic Coach und Sportmasseur bei ActivePeople in Köniz. Gezielte Kombination aus Triggerpunkttherapie, M-Tron, Medical Taping und strukturierten Übungsprogrammen führt zu nachhaltig verbessertem Bewegungsumfang. Termine für medizinische Massage und Sportmassage können bequem online über die ActivePeople-Webseite gebucht werden. Zukünftige Forschung sollte neuroinflammatorische Mechanismen und digital gestützte Home-Exercise-Programme weiter evaluieren, um Langzeitprognosen zu optimieren und Rezidive zu reduzieren.


Evidenzbasierte Studien und Forschungslage
  • Cho et al. 2014: Klinikbasiertes Programm schneller als Heimübungen .
  • Hauzou et al. 2021: NGF-Expression und Pathophysiologie .
  • Smith et al. 2014: Moderate Evidenz manuelle Therapie .
Literaturverzeichnis
  1. Neviaser JS, Neviaser RJ. Adhesive Capsulitis of the Shoulder. J Bone Joint Surg Am. 1945.
  2. Cho CH et al. Hospital-Based Exercise Versus Home Exercise in Frozen Shoulder: Randomized Controlled Trial. J Shoulder Elbow Surg. 2014.
  3. Hauzou R et al. The Puzzling Pathophysiology of Frozen Shoulder – A Scoping Review. Clin Rev Allergy Immunol. 2021.
  4. Smith BR et al. Manual Therapy and Exercise for Adhesive Capsulitis: A Systematic Review. Phys Ther Rev. 2014.
  5. Stoll D et al. Hypothesis: GABAergic Involvement in Frozen Shoulder. Front Physiol. 2024.

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