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AFib als neues kardiovaskuläres Problem

Vorhofflimmern (AFib) ist eine Störung, bei der die oberen Herzkammern (Vorhöfe) unregelmässig und sehr schnell schlagen. Diese Arrhythmie kann zu wenig effektivem Bluttransport führen und das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle deutlich erhöhen. Forscher bezeichnen AFib inzwischen als epidemische Herausforderung im kardiovaskulären Bereich.

Typen des Vorhofflimmerns

  1. Paroxysmales AFib: Episoden halten weniger als 7 Tage an und können spontan enden.
  2. Persistierendes AFib: Dauert länger als 7 Tage und erfordert meist interventionelle Therapie.
  3. Lang andauerndes persistierendes AFib: Besteht länger als 1 Jahr und ist schwer therapierbar.

Symptome & Warnzeichen von AFib

Die Symptome hängen vor allem von der kammerventrikulären Herzfrequenz ab:

  • Unregelmässiger Herzschlag
  • Erschöpfung, Palpitationen
  • Schwindel, Synkopen
  • Atemnot, Brustschmerzen
  • In Belastungskontext: Verminderte Leistungsfähigkeit und erhöhte Anstrengungsatmung

Bei solchen Symptomen ist ein Arztbesuch empfehlenswert – vor allem, wenn sie im Sport auftreten.


Herzfrequenzbereiche: Gefährlich vs. Sicher

Gefährliche Herzfrequenzbereiche bei AFib

Bei AFib kann die ventrikuläre Herzfrequenz von sehr niedrig bis 100–175 bpm (Schläge pro Minute) variieren . Liegt sie im oberen Bereich, kann es zu Hypotonie, Schwindel, Synkopen und Leistungseinbussen kommen.

Sichere Herzfrequenzbereiche

Allgemein wird für Erwachsene ein Ruhe-HF zwischen 60–100 bpm als normal angesehen. Für AFib-Patienten empfehlen Leitlinien eine Kontrolle auf etwa 60–80 bpm in Ruhe und 90–115 bpm während moderater Belastung .


AFib und Ausdauersport: Ein komplexes Verhältnis

U‑förmige Risiko-Kurve

Moderate körperliche Aktivität reduziert das AFib-Risiko durch günstigere Stoffwechseleffekte. Dagegen erhöht intensives Ausdauertraining – wie Marathon, Radsport, Langstreckenskilauf – das Risiko deutlich .

  • In einer Metaanalyse zeigte sich für Ausdauersportler ein um 3–9 fach höheres Risiko für AFib verglichen mit der Allgemeinbevölkerung.
  • In schwedischen Langdistanz-Skiläufern („Vasaloppet“) war die AFib‑Inzidenz bei besonders intensiven Teilnehmer:innen erhöht .
  • Studien zeigten, dass männliche Ausdauersportler – insbesondere ältere „Masters“ – gefährdete Gruppen sind .

Pathophysiologische Mechanismen

  • Strukturelle Anpassung: Vorhofvergrösserung, atriale Fibrose, erhöhter vagaler Tonus (→ Bradykardie bei Ruhe, schnelle Signalleitung bei Belastung) .
  • Biomarker-Veränderungen: Erhöhte Troponin- und NT‑proBNP-Werte nach intensiven Einheiten deuten auf Myokardschäden hin, die subakut abgeklungen sind, aber chronisch zu Fibrosen beitragen können.
  • Autonome Dysbalance: Verminderte Refraktärzeit durch vagale Dominanz begünstigt Re‑entry‑Mechanismen, gemeinsame Auslöser von AFib .

Studie bei Ausdauersportlern

  • Sareban et al., 2020 zeigen in ihrer Übersicht: Langfristiges, intensives Training führt zu Veränderungen im „Athletenherz“, die ein erhöhtes AFib-Risiko erzeugen.
  • Meta-Analyse aus dem British Journal of Sports Medicine: AFib-Risiko ist dosis‑ und intensitätsabhängig erhöht.
  • Cardiology Clinics, 2016: Drei- bis neunfach erhöhtes Risiko in Ausdauersportlern .

Empfehlungen für Ausdauersportler mit AFib

  1. Moderat beginnen
    • Trainingsumfang langsam erhöhen: Start mit täglichen 5–10 min Gehen, wöchentlich +1–2 min.
    • Ziel: Herzfrequenz während Belastung innerhalb der sicheren Zone (90–115 bpm) halten.
  2. Herzfrequenzkontrolle
    • Nutzung von Pulssensoren oder Wearables (z. B. EKG‑Funktionen), idealerweise mit Alarm bei Überschreiten.
    • Messung der Ruhe- und Belastungs-HF, z. B. via Garmin, Polar, Apple Watch.
  3. Regelmässiges Screening
    • Holter- oder Event-Recorder in Phasen mit hohem Trainingspensum einsetzen, besonders bei „Masters“-Sportlern .
    • Bei Symptomen: sofortige Abklärung, z. B. bei Herzklopfen oder Leistungseinbruch.
  4. Behandlungsoptionen
    • Medikamentös: Betablocker, Kalziumantagonisten zur HF‑Kontrolle; Antikoagulation (NOAKs) zur Schlaganfallprophylaxe .
    • Interventionell: Pulmonalvenenisolation (Catheter-Ablation) zeigt bei Athleten ähnliche Erfolgsraten wie in der Allgemeinbevölkerung, mit Erhalt der Leistungsfähigkeit .
    • Lifestyle: Alkohol, Schlafapnoe behandeln, Gewicht reduzieren – weitere Riskofaktoren senken .
  5. Training anpassen statt aufgeben
    • Reduktion intensiver Trainingseinheiten kann Symptome verbessern, wie in einem Patientenfall (32 Jahre Alter, paroxysmales AFib) gezeigt wurde .
    • Fokus auf Zone‑2‑Training (65–85 % der HF_max), um kardiorespiratorische Fitness zu erhalten und Stress auf das Herz zu reduzieren .

Zusammenfassung für Ausdauersportler

ThemaEmpfehlung / Erkenntnis
Herzfrequenz-SicherungRuhe: 60–80 bpm, Belastung: 90–115 bpm
Sportdosierungmoderat ↔ intensitätsabhängiges Risiko (U-Kurve)
DiagnostikWearables + Holter bei Symptomen oder hoher Trainingsbelastung
BehandlungMedikamente (Betablocker/NOAKs), Ablation bei Leistungserhalt
TrainingsempfehlungFokus auf Zone‑2, intensive Einheiten reduzieren, langsamer Aufbau

Take-out für Ausdauersportler

  • Moderates Training: Senkt AFib-Risiko und stärkt das Herz.
  • Intensives Ausdauertraining: Kann das Risiko für Vorhofflimmern deutlich steigern – besonders bei lange erfahrenen, älteren Athleten.
  • Strategie: Kontinuierliche Herzfrequenzkontrolle, symptomorientiertes Training, gezielte Diagnostik und individualisierte Therapie ermöglichen Sport im sicheren Rahmen.

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